NEB-Bauprojekt: „NEBhourhoods“ New European Bauhaus Prizes NEB Lab Anja Hanschmann Büro für Städtebau GmbH Chemnitz
New European Bauhaus in der Praxis – ein Entwicklungsszenario

Die Initiative New European Bauhaus (NEB) (dt.: Neues Europäisches Bauhaus) der Europäischen Union verfolgt das Ziel, den European Green Deal in gebaute Realität zu übersetzen und dabei mit Aspekten der sozialen Teilhabe zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur ökologische Effizienz und Klimaschutz, sondern auch gestalterische Qualität und soziale Inklusion. Diese Verbindung aus Nachhaltigkeit, Ästhetik und gesellschaftlicher Teilhabe wird insbesondere in Stadtentwicklungs- und Sanierungsprojekten praktisch umgesetzt und gewürdigt.

Vier thematische Schwerpunkte untersetzen die Aktivitäten des NEB:

  • Rückbesinnung auf die Natur,
  • Wiedererlangung eines Gefühls der Zugehörigkeit,
  • Unterstützung von vulnerablen Orten und Gruppen (Integration, Barrierefreiheit, soziale Kohäsion),
  • Ausgestaltung eines kreislauforientierten industriellen Ökosystems und Unterstützung des Lebenszyklusdenkens.

Die NEB Facility ist hierbei ein Fördertopf, der die Entwicklung von Projekten im Sinne der Initiative unterstützt. Auch das LIFEBauhausingEurope ist ein Pilotprojekt, welches die Umsetzung einer ökologischen Transformation in Einklang mit den Ansätzen des NEBs verknüpfen soll.

Entwicklungsszenario einer integrierten Quartiersentwicklung nach NEB-Prinzipien

Ein Anwendungsfeld der partizipativen und transdisziplinären Herangehensweise im Sinne des NEB ist beispielsweise die Transformation bestehender Wohnquartiere, insbesondere aus den 1960er- bis 1980er-Jahren, die energetisch und sozial vor besonderen Herausforderungen stehen.

Ausgangslage: Herausforderungen im Bestand

Viele europäische Städte verfügen über großflächige Wohnsiedlungen aus der Nachkriegszeit. Diese Quartiere weisen unter anderem folgende Problemlagen auf:

  • hoher Energieverbrauch durch unzureichende Dämmung
  • funktionale, aber gestalterisch wenig attraktive Architektur
  • unattraktiv gestaltete Grün- und Aufenthaltsräume, die nicht an die Bedürfnisse der Bewohnenden angepasst sind
  • soziale Segregation und geringe Nutzungsvielfalt

Auf Basis des NEB-Ansatzes können solche Quartiere als Transformationsräume verstanden werden, in denen ökologische und soziale Innovation gleichzeitig implementiert werden.

Handlungsfelder und Maßnahmen: Ein Szenario für die Umsetzung

Ein NEB-inspiriertes Pilotprojekt in einer europäischen Mittelstadt kann beispielsweise einem integrierten Ansatz folgen, der verschiedene Maßnahmenbündel kombiniert.

  1. Energetische Sanierung und Klimaanpassung

Zum einen steht eine technische Transformation der Gebäudehülle mit folgenden möglichen Handlungsbausteinen im Vordergrund:

  • Dämmung von Fassaden und Dächern
  • Austausch fossiler Heizsysteme durch Wärmepumpen oder andere erneuerbare Energiequellen
  • Installation von Photovoltaik auf Dachflächen
  • intelligente Energiemanagementsysteme

Ziel ist eine deutliche Reduktion der CO₂-Emissionen im Gebäudebestand und eine langfristige Senkung der Betriebskosten.

  1. Aufwertung des öffentlichen Raums

Parallel zur energetischen Sanierung erfolgt eine qualitative Neugestaltung der Freiräume mit folgenden Handlungsfeldern:

  • Entsiegelung von Flächen zur Verbesserung des Mikroklimas
  • Anlage von Grünflächen, Regenwassermanagement (Schwammstadt-Prinzip)
  • Schaffung von fußläufigen, verkehrsberuhigten Zonen
  • neue Aufenthalts- und Begegnungsräume

Hier zeigt sich unter anderem der NEB-Anspruch der Ästhetik in Form von funktionaler Infrastruktur, die mit gestalterischer Qualität verbunden werden soll.

  1. Soziale Inklusion und Beteiligung

Ein zentrales Merkmal der NEB ist die aktive Einbindung der Bewohnerschaft während des gesamten Transformationsprozesses. Dazu zählen Elemente, wie:

  • partizipative Planungsworkshops
  • Bürgerdialoge zu Nutzungskonzepten
  • Kooperation mit lokalen Initiativen und Schulen
  • soziale Träger zur Quartiersarbeit

Die aufgeführten Formate sollen sicherstellen, dass die Entwicklungsprozesse angepasst an und in Zusammenhang mit lokalen Bedürfnissen ablaufen.

  1. Neue Nutzungs- und Innovationsmodelle

Im Sinne der Innovationskomponente können ergänzend neue Strukturen entstehen:

  • flexible Gemeinschaftsräume (Co-Working, Nachbarschaftszentren)
  • Sharing-Konzepte für Mobilität und Ressourcen
  • modulare Gebäudenutzung (z. B. Umnutzung von Erdgeschossen)
  • Integration digitaler Infrastruktur (Smart-City-Anwendungen)

Diese Maßnahmen erhöhen die funktionale Vielfalt und fördern lokale Wertschöpfung.

Zusammenfassung Entwicklungsszenario: Mehr als nur energetische Effizienz

Die Wirkung solcher NEB-orientierten Quartiersprojekte lässt sich nicht nur in technischen Kennzahlen messen. Typische Ergebnisse beinhalten beispielsweise eine signifikante Reduktion des Energieverbrauchs im Gebäudebestand, die Verbesserung des städtischen Mikroklimas durch Begrünung sowie eine Steigerung der Aufenthaltsqualität in öffentlichen Räumen, die Stärkung der sozialen Kohäsion im Quartier und eine gesteigerte Identifikation der Bewohnenden mit ihrem Umfeld. Der entscheidende Mehrwert liegt hierbei in der Verknüpfung dieser ökologischen, sozialen und gestalterischen Handlungsbausteine.

Fazit: Das NEB als experimenteller Politikrahmen

Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie die New European Bauhaus Initiative als experimenteller Rahmen für integrierte Stadtentwicklung funktioniert.

Die EU unterstützt dabei Projekte über:

  • Pilotförderungen im Rahmen von Horizon Europe
  • das NEB Lab als Experimentierraum für Methoden und Prozesse
  • die New European Bauhaus Prizes als Sichtbarmachung guter Praxis

Damit entsteht ein europäisches Innovationsökosystem, das unterschiedliche Akteure – Kommunen, Planungsbüros, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – zusammenbringt.

Die New European Bauhaus zeigt in der praktischen Umsetzung, dass nachhaltige Transformation weit über technische Lösungen hinausgeht. Besonders in der Quartiersentwicklung wird deutlich, dass Klimaschutz, soziale Integration und gestalterische Qualität auch gemeinsam wirken können und sollen.

Das dargestellte Umsetzungsmodell verdeutlicht ein zentrales Verständnis der europäischen Stadtentwicklung:
Nicht nur effizienter bauen – sondern besser, inklusiver und lebenswerter gestalten.

Quellenlinks und weiterführende Projekte:

Bundesstiftung Bauakademie, Neues Europäisches Bauhaus – Nationaler Kontaktpunkt. Verfügbar unter:  https://bundesstiftung-bauakademie.de/neb
Europäische Kommission, NEB Prizes 2025: Winners. Verfügbar unter: https://prizes.new-european-bauhaus.europa.eu/prizes-past-editions/2025/winners
Europäische Kommission, New European Bauhaus Prizes. Die HausWirtschaft. Verfügbar unter: https://prizes.new-european-bauhaus.europa.eu/past-applications/die-hauswirtschaft
Europäische Kommission, NEB Compass – a guiding framework. Verfügbar unter: https://new-european-bauhaus.europa.eu/tools-and-resources/use-compass_en
Huertas Rubio, Egio Rubio, Life Bauhausing Europe: Transforming neighbourhoods through the new European Bauhaus. Verfügbar unter: https://www.openaccessgovernment.org/article/life-bauhausing-europe-transforming-neighbourhoods-through-the-new-european-bauhaus/207125/

Büro für Städtebau GmbH ChemnitzBüro für Städtebau GmbH Chemnitz, Anja Hanschmann