
Zwischen strukturierter Bauleitplanung und kreativer Stadtkonzeption: Max Schaarschmidt im Porträt
Die Stadt- und Regionalplanung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen klar definierten rechtlichen Rahmenbedingungen und kreativen Entwurfsprozessen. Max Schaarschmidt beschreibt sich selbst als Stadt- und Regionalplaner. Seine Tätigkeit vereint klassische Instrumente der formalen Bauleitplanung mit konzeptionell, informellen Ansätzen der Stadtentwicklung und weiterer informeller Planung.
Zentrale Handlungsfelder zwischen Bauleitplanung und Stadtkonzeption
Im Zentrum seines Arbeitsalltags stehen zentrale Handlungsfelder der Stadtentwicklung. Die Bauleitplanung bildet dabei eine wesentliche Grundlage, indem sie die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die räumliche Entwicklung schafft. Parallel dazu beschäftigt er sich fachlich mit der Stadtkonzeption, die in Form von informellen Instrumente strategische Leitbilder und Entwicklungsperspektiven zu unterschiedlichen Fachthemen – von Wohnen über Mobilität bis hin zu Grünstrukturen – formuliert. Auch die Freiraumplanung spielt eine wichtige Rolle, insbesondere im Kontext von Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität im urbanen Raum. Die konkreten Aufgabenfelder spiegeln diese Bandbreite wider. Seine arbeitet an Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, welche die Art der Bodennutzung und Bebauung von Flächen rechtssicher festsetzen. Darüber hinaus entwickelt er Stadtkonzepte, die als strategische Grundlage für langfristige Entwicklungsprozesse dienen. Die Erstellung dieser Entwicklungskonzepte ist dabei nicht nur analytisch, sondern auch gestalterisch geprägt. Gleichzeitig wirkt er an der Weiterentwicklung des Büros im Bereich der informellen Planung mit – ein Feld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, da es flexible und zukunftsorientierte Lösungsansätze ermöglicht.
Persönliche Motivation und der Weg zur Stadtplanung
Seine Motivation für den Beruf ist eng mit persönlichen Erfahrungen und Eindrücken verbunden. Die Berufstätigkeit des näheren familiären Umfelds im Bausektor – vor allem in der Architektur und dem Ingenieurwesen – legte früh den Grundstein für sein Interesse an der gebauten Umwelt. Gleichzeitig beschreibt er die Phase während des Abiturs als Zeit vielfältiger Orientierung. Studienportale sowie studienvorbereitende Kurse lieferten unter anderem erste Impulse. Entscheidend für die Studiengangwahl, war schlussendlich die Erkenntnis des kreativen Handelns innerhalb des Berufsfeldes. „Raumumfasst komplexe Vielfalt“ und kann – je nach Quartier – nahezu unbegrenzt gedacht werden. Themen wie Wohnen, Architektur, Begrünung, Kultur und Verkehr greifen ineinander und eröffnen die Möglichkeit, „Ideen von groß nach klein“ zu entwickeln. Genau diese inhaltliche Breite prägt bis heute sein Verständnis von Stadtplanung.
Das Studium in Cottbus und das Cottbuser Modell
Sein Studium der Stadt- und Regionalplanung in Cottbus legte die fachliche Grundlage für seinen Berufsweg. Ausschlaggebend für die Wahl des Studienortes waren pragmatische, aber auch persönliche Gründe. So unter anderem der Wunsch, sich räumlich zu verändern, sowie die Struktur eines zentralen Campus. Besonders prägend war das sogenannte Cottbuser Modell, das eine enge Zusammenarbeit mit Architektur- und Ingenieurstudiengängen vorsieht. Die ersten zwei Semester führten schrittweise an die fachlichen Inhalte der Stadtplanung heran, bevor im dritten Semester der kreative Anteil stärker in den Vordergrund rückte. Dieser Moment markierte einen wichtigen Wendepunkt in seiner fachlichen Orientierung.
Prägende Projekte und fachliche Impulse
Wichtige Impulse erhielt er durch Projekte in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. In Berlin erlebte er die Komplexität und Dynamik der Quartiersplanung in einer Großstadt. Gleichzeitig standen Projekte in kleineren Städten gegenüber, wodurch eine spannende Dualität entstand. Besonders prägend war die Arbeit an einem INSEK in Lübbenau im Spreewald. Hier wurde deutlich, wie integrierte Stadtentwicklungskonzepte als strategisches Instrument eingesetzt werden, um individuelle Herausforderungen und Potenziale einer Kommune zu analysieren und in konkrete Maßnahmen zu überführen. Inspiration findet er sowohl in der Lehre als auch in der Praxis und dem städtischen Alltag. Besonders prägend war für ihn Prof. Bernhard Weihrauch, der im Bereich Baurecht durch seine motivierende und inspirierende Art beeindruckte. Ebenso tiefgreifend war die fachliche Lehre von Prof. Heinz Nagler im Städtebau an der TU Cottbus, der durch seine Fähigkeit, Inhalte in ihrer thematischen Tiefe spannend zu vermitteln, Begeisterung für das Fach weckte. Auch Planungsbüros – insbesondere kleinere Strukturen – dienen ihm als Vorbild.
Kreativität als zentraler Reiz des Berufs
Die größte Freude an seiner Arbeit liegt für ihn in der Kreativität. Ideen zu entwickeln und diese zu versuchen innerhalb eines klaren rechtlichen Rahmens umzusetzen, beschreibt er als zentrale Motivation. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit mit Menschen – von Fachplanenden bis hin zu AuftraggeberInnen – ein wesentlicher Bestandteil seines Berufsalltags. Gerade diese Verbindung von kreativer Freiheit und strukturierten Prozessen macht für ihn den Reiz der Stadtplanung aus.
Zwischen Kreativität, Recht und unterschiedlichen Interessen
Die Herausforderungen sind dabei eng mit den Rahmenbedingungen der Planung verknüpft. Die Kreativität der eigenen Planungen muss sich dabei auch immer an die gesetzten Vorgaben halten und dennoch versuchen, sich innerhalb dieser zu entfalten. Die Grenzen sind dabei häufig rechtliche Vorgaben, finanzielle Restriktionen sowie unterschiedliche Interessen von Menschen und Institutionen. Besonders das Baurecht setzt klare Leitplanken, die im Studium leider oft nur unzureichend vermittelt werden. Kombinationen aus Lehre und Praxis, sowie das Erlernen der Umsetzung der eigenen Kreativität in den durch die Begrenzungen vorgegebenen Raum sind grundlegend für eine kreativ-vernünftige Planung. Hinzu kommt die Notwendigkeit, Umweltaspekte konsequent zu berücksichtigen und abzuwägen. Gleichzeitig bewegen sich Planer und Planerinnen im Spannungsfeld zwischen Behörden, Vorhabenträgern und Vorhabensträgerinnen und eigenen städtebaulichen Ambitionen. Diese unterschiedlichen Perspektiven müssen in Einklang gebracht werden – eine zentrale Aufgabe integrierter Planung.
Welche Fähigkeiten Stadt- und Regionalplaner:innen brauchen
Für diesen Berufsweg sind neben fachlichem Wissen vor allem persönliche Eigenschaften entscheidend. Kreativität bildet die Grundlage für innovative Lösungen, während eine „harte Haut“ hilft, mit Kritik und Widerständen umzugehen. Resilienz ist notwendig, um auch in komplexen und langwierigen Prozessen handlungsfähig zu bleiben. Oft werden Fähigkeiten wie rhetorische Kompetenz und Körpersprache, die für Präsentationen und Abstimmungen unerlässlich sind, ebenso wichtig wie ein fundiertes Verständnis für das Baurecht. Hinzu kommen die Fähigkeit zur Konfliktlösung, Empathie, Standhaftigkeit und die Bereitschaft zum Abwägen und Ausgleichen.
Ein klares „Ja“ zum eigenen Berufsweg
Auf die Frage, ob er seinen Berufsweg erneut wählen würde, antwortet er eindeutig mit „Ja“. Die Verbindung aus Kreativität, Struktur und gesellschaftlicher Relevanz macht den Beruf für ihn langfristig attraktiv. Sein Rat an Studienanfänger:innen ist ebenso praxisnah wie deutlich: Das Baurecht bildet eine unverzichtbare Grundlage und sollte frühzeitig verstanden werden. Gleichzeitig empfiehlt er, gezielt Best-Practice-Beispiele zu sammeln, um ein Gespür für gute Planung zu entwickeln und die eigene Kreativität zu fördern. Auch der Umgang mit digitalen Werkzeugen spielt eine wichtige Rolle – ebenso wie die Fähigkeit, Kritik nicht zu persönlich zu nehmen und eine gewisse Gelassenheit zu bewahren. Oder, wie er es selbst formuliert: „Man sollte die Dinge gelassener angehen, ohne den eigenen Anspruch oder Antrieb zu verlieren.“
Stadt- und Regionalplanung zwischen Analyse, Gestaltung und gesellschaftlicher Relevanz
Die Arbeit von Max Schaarschmidt verdeutlicht, wie facettenreich die Stadt- und Regionalplanung ist. Zwischen Bauleitplanung, informellen Konzepten und kreativen Entwurfsprozessen entsteht ein Berufsfeld, das gleichermaßen analytisches Denken und gestalterische Kompetenz erfordert – und damit entscheidend zur Entwicklung zukunftsfähiger Städte und Regionen beiträgt.



