Frank Maibier Kunstsammlungen Chemnitz Büro für Städtebau GmbH Chemnitz
Frank Maibier in den Kunstsammlungen Chemnitz – Kunst im Spannungsfeld von Material, Klang und Prozess

Mit der aktuellen Ausstellung von Frank Maibier widmen die Kunstsammlungen Chemnitz einem Künstler ihre Aufmerksamkeit, der sich seit Jahrzehnten konsequent jenseits klarer Kategorien bewegt. Maibiers Werk entzieht sich schnellen Zuschreibungen: Es oszilliert zwischen Zeichnung und Skulptur, zwischen Objekt und Installation, zwischen visueller Kunst und Klang. Gerade diese Offenheit macht seine Arbeiten heute so relevant.

Ein Künstler der Prozesse

Frank Maibier, der seit vielen Jahren in Chemnitz lebt und arbeitet, ist Autodidakt. Diese Unabhängigkeit von akademischen Prägungen spiegelt sich deutlich in seinem Werk wider. Ihn interessiert weniger das abgeschlossene Kunstobjekt als vielmehr der Prozess des Entstehens: das Falten, Reißen, Schichten, Perforieren und Neu-Zusammensetzen von Materialien. Besonders Papier spielt dabei eine zentrale Rolle – nicht als bloßer Träger von Zeichnungen, sondern als eigenständiges, verletzliches und zugleich widerständiges Material.

Maibiers Arbeiten wirken oft reduziert und leise, entfalten bei genauerer Betrachtung jedoch eine große Komplexität. Linien, Flächen und Strukturen verweisen auf Bewegung, auf Rhythmus und auf Zeit. Nichts erscheint endgültig festgelegt, vieles scheint im Übergang begriffen.

„tritt tratt“ – ein Titel als Schlüssel

Die Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz trägt den Titel „tritt tratt“, eine lautmalerische Wortschöpfung, die bereits einen wichtigen Aspekt von Maibiers künstlerischem Denken offenlegt. Klang, Rhythmus und Sprache sind für ihn keine Randthemen, sondern integraler Bestandteil seines Werks. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich parallel zur bildenden Kunst mit experimentellen Klang- und Musikprojekten, oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen und Musiker:innen.

In der Ausstellung wird diese Verbindung spürbar: Visuelle Arbeiten scheinen Geräusche anzudeuten, Materialien erinnern an akustische Resonanzräume, und selbst stille Objekte tragen eine rhythmische Qualität in sich. Der Titel fungiert dabei weniger als Erklärung denn als Einladung, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern auch körperlich und sinnlich zu erfahren.

Eine Ausstellung ohne linearen Rundgang

Die Präsentation in den Kunstsammlungen ist bewusst nicht chronologisch angelegt. Stattdessen entfaltet sich ein Geflecht aus Arbeiten verschiedener Werkphasen, das Querverbindungen sichtbar macht. Zeichnungen stehen neben skulpturalen Objekten, fragile Papierarbeiten treten in Dialog mit raumgreifenden Installationen. Immer wieder wird deutlich, wie konsequent Maibier über Jahrzehnte hinweg an ähnlichen Fragestellungen gearbeitet hat – und wie wandelbar seine Antworten darauf ausfallen.

Der Ausstellungsraum wird dabei selbst zum aktiven Bestandteil der Werke. Licht, Abstand, Durchblicke und Überlagerungen verändern die Wahrnehmung und machen deutlich, dass Maibiers Kunst ohne den umgebenden Raum kaum denkbar ist.

Kunst zwischen Konzentration und Offenheit

Was diese Ausstellung besonders auszeichnet, ist ihre unaufdringliche Intensität. Maibiers Arbeiten drängen sich nicht auf, sie fordern Zeit, Aufmerksamkeit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Kunst, die weniger erklärt als vielmehr Fragen stellt: nach der Stabilität von Formen, nach der Grenze zwischen Ordnung und Zufall, nach der Beziehung von Sehen und Hören.

Gerade in einer Zeit, in der Kunst oft auf schnelle Wirkung setzt, wirkt Frank Maibiers Werk entschleunigend und konzentriert. Die Ausstellung bietet damit nicht nur einen Einblick in ein vielschichtiges künstlerisches Œuvre, sondern auch einen Raum für Wahrnehmung, Reflexion und stilles Staunen.

Ausstellung & Zeitraum

„frank maibier. tritt tratt“ ist derzeit zu sehen in den Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz und läuft vom 11. Dezember 2025 bis zum 12. April 2026.

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