
Die Bauwende als Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele – insbesondere auf kommunaler Ebene
Die Erreichung der nationalen und europäischen Klimaziele erfordert tiefgreifende Veränderungen in nahezu allen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Neben der Energiewende gilt die Bauwende als eine der zentralen Stellschrauben für wirksamen Klimaschutz. Der Gebäudesektor verursacht einen erheblichen Anteil der Treibhausgasemissionen und des Ressourcenverbrauchs. Entsprechend groß ist das Potenzial, durch eine grundlegende Transformation von Planung, Bau, Betrieb und Nutzung von Gebäuden und Infrastrukturen nachhaltige Effekte zu erzielen.
Was unter Bauwende zu verstehen ist
Die Bauwende beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken betrachtet – vom Flächenverbrauch über die Materialgewinnung und Bauausführung bis hin zu Betrieb, Umnutzung und Rückbau. Sie umfasst sowohl den Neubau als auch den Umgang mit dem bestehenden Gebäudebestand, der den überwiegenden Teil der Bauwerke ausmacht.
Ziel ist es, Bauweisen, Baumaterialien und Bauprozesse so zu gestalten, dass Ressourcen geschont, Emissionen reduziert und ökologische Belastungen minimiert werden. Dabei geht es nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um ein systemisches Umdenken im Bauwesen.
Zentrale Handlungsfelder der Bauwende
Ein wesentliches Element der Bauwende ist die flächensparende Planung. Der fortschreitende Flächenverbrauch führt zu Versiegelung, Verlust von Biodiversität und zusätzlichen Emissionen. Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Reaktivierung von Bestandsgebäuden stehen daher im Fokus, um den Bedarf an neuen Bauflächen zu reduzieren.
Ein weiteres Handlungsfeld ist der Einsatz nachhaltiger und möglichst rückbaufähiger Baustoffe. Materialien mit hoher grauer Energie, wie Zement oder Stahl, sollen effizienter eingesetzt oder durch alternative Baustoffe ergänzt werden. Gleichzeitig gewinnt die Wiederverwendbarkeit von Bauteilen und die Kreislauffähigkeit von Materialien an Bedeutung, um den Ressourcenverbrauch langfristig zu senken.
Darüber hinaus ist die Errichtung und der Betrieb klimaneutraler Gebäude ein zentrales Ziel. Dies umfasst energieeffiziente Bauweisen, den Einsatz erneuerbarer Energien sowie eine Reduktion der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg. Der Gebäudebetrieb spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Bauphase selbst.
Die besondere Rolle der Kommunen
Kommunen nehmen im Rahmen der Bauwende eine Schlüsselrolle ein. Sie sind zentrale Akteure der Stadt- und Ortsentwicklung und verfügen über wesentliche Steuerungsinstrumente, etwa durch Bauleitplanung, Vergabeverfahren, kommunale Förderprogramme und eigene Bauvorhaben.
Durch flächensparende Planungskonzepte, nachhaltige Bebauungspläne und klare Vorgaben zu Baustandards können Kommunen maßgeblich dazu beitragen, klimafreundliches Bauen zu etablieren. Als Bauherrinnen und Bauherren haben sie zudem eine Vorbildfunktion: Öffentliche Gebäude können als Pilotprojekte für innovative Bauweisen, nachhaltige Materialien und klimaneutrale Konzepte dienen.
Nicht zuletzt kommt den Kommunen eine wichtige Rolle als Moderatoren und Vernetzer zu. Im Dialog mit Politik, Wirtschaft, Planenden und Bürgerschaft können sie Akzeptanz schaffen, Wissen vermitteln und die Bauwende als gemeinschaftliche Aufgabe vorantreiben.
Fazit
Die Bauwende ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen Klimapolitik. Sie erfordert ein Umdenken im gesamten Bausektor und die konsequente Ausrichtung auf Ressourcenschonung und Klimaschutz. Kommunen sind dabei zentrale Treiber der Transformation. Durch strategische Planung, klare Rahmenbedingungen und aktiven Dialog können sie entscheidend dazu beitragen, die Bauwende wirksam umzusetzen und die Klimaziele zu erreichen.



