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Wohnen 2040: Neue Lebensrealitäten verlangen neue Wohnmodelle

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist Ausdruck von Lebensentwürfen, sozialer Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Werten. Der Zukunftsreport 2040 der Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern zeigt deutlich: Bis zum Jahr 2040 verändern sich diese Lebensentwürfe grundlegend – und damit auch die Anforderungen an den Wohnungsbau.

Wohntrends der Zukunft und eine Vision für Wohnungsbaugenossenschaften

Für Wohnungsbaugenossenschaften eröffnet dieser Wandel nicht nur Herausforderungen, sondern vor allem eine historische Chance: Sie können zu zentralen Gestalterinnen zukunftsfähiger Wohnformen werden.

Wohntrend 1: Kleinere Haushalte, größere soziale Netze

Ein zentraler Wohntrend bis 2040 ist die fortschreitende Pluralisierung von Haushaltsformen. Klassische Familienmodelle verlieren an Dominanz, während Einpersonenhaushalte, Patchwork-Konstellationen und zeitlich flexible Lebensgemeinschaften zunehmen.

Gleichzeitig wächst der Wunsch nach sozialer Einbindung. Menschen leben individueller, aber nicht isoliert. Daraus entsteht ein neues Wohnparadox: privat kleiner, gemeinschaftlich größer.

Konkret bedeutet das:

  • kompaktere Wohnungen mit effizient genutzten Grundrissen

  • ergänzende Gemeinschaftsflächen wie geteilte Küchen, Gästezimmer, Waschräume oder Werkstätten

  • halböffentliche Übergangszonen wie Laubengänge, Innenhöfe oder Gemeinschaftsterrassen

Wohnen wird damit stärker quartiersbezogen gedacht – als Teil eines sozialen Alltagsnetzwerks.

Wohntrend 2: Mehrgenerationenfähigkeit statt Alterssegregation

Die Gesellschaft altert, doch das Bild des passiven Alters verliert an Bedeutung. Bis 2040 bleibt ein großer Teil der älteren Bevölkerung aktiv, selbstständig und sozial eingebunden. Gleichzeitig verändert sich der Bedarf an Unterstützung im Alltag.

Der Zukunftsreport beschreibt deshalb eine Abkehr von altersgetrennten Wohnformen hin zu mehrgenerationenfähigen Wohnumgebungen:

  • barrierearme Wohnungen als Standard, nicht als Sonderlösung

  • kurze Wege zu Versorgung, medizinischer Betreuung und sozialen Treffpunkten

  • gemeinschaftliche Räume, die Begegnung zwischen Generationen ermöglichen

Wohnen wird so zu einem Instrument sozialer Stabilität – und zu einer Alternative zu isolierten Pflege- oder Sonderwohnformen.

Wohntrend 3: Wohnen als flexibler Lebensraum

Lebensläufe verlaufen 2040 weniger linear. Phasen intensiver Arbeit, Weiterbildung, Pflege von Angehörigen oder Neuorientierung wechseln sich ab. Daraus entsteht der Bedarf nach anpassungsfähigem Wohnraum.

Zukünftige Wohnkonzepte zeichnen sich aus durch:

  • modulare Grundrisse, die sich teilen oder zusammenlegen lassen

  • nutzungsoffene Räume für Wohnen, Arbeiten oder Pflege

  • Gebäude, die auf veränderte Haushaltsgrößen reagieren können

Der Fokus verschiebt sich vom statischen Wohnprodukt hin zum dynamischen Wohnsystem.

Wohntrend 4: Gemeinschaft als Wohnqualität

Der Zukunftsreport 2040 macht deutlich, dass Gemeinschaft nicht verschwindet, sondern ihre Form verändert. Sie wird freiwilliger, situativer und stärker raumabhängig.

Für das Wohnen bedeutet das:

  • Gemeinschaft entsteht dort, wo sie räumlich möglich ist

  • Nachbarschaft ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Frage der Gestaltung

  • geteilte Räume fördern Vertrauen, Unterstützung und Identifikation

Gemeinschaft wird damit zu einer messbaren Wohnqualität – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit.

Wohntrend 5: Nachhaltigkeit als gelebter Alltag

Nachhaltigkeit ist 2040 kein Zusatzargument mehr, sondern Grundbedingung. Dabei geht es nicht nur um Energieeffizienz, sondern um ressourcenschonende Lebensweisen.

Typisch für zukünftiges Wohnen sind:

  • Flächensparen durch gemeinschaftliche Nutzung

  • langlebige, anpassbare Gebäudestrukturen

  • lokale Kreisläufe und geteilte Infrastruktur

Wohnen wird zum Lernfeld für nachhaltiges Verhalten im Alltag.

Vision 2040: Die Wohnungsbaugenossenschaft als soziale Wohnplattform

Aus diesen Wohntrends ergibt sich eine klare Schlussfolgerung:
Wohnungsbaugenossenschaften können sich bis 2040 von reinen Wohnraumversorgern zu sozialen Wohnplattformen entwickeln.

Eine visionäre Genossenschaft 2040:

  • bietet nicht nur Wohnungen, sondern Wohnmodelle für unterschiedliche Lebensphasen

  • denkt Gebäude, Quartier und Gemeinschaft zusammen

  • versteht Wohnen als langfristige soziale Infrastruktur

  • ermöglicht Teilhabe, Mitgestaltung und Verantwortung

Genossenschaften haben dafür einen entscheidenden Vorteil: Ihr Prinzip ist nicht kurzfristige Rendite, sondern Dauerhaftigkeit, Solidarität und gemeinschaftlicher Nutzen. Genau diese Werte gewinnen in der Wohnzukunft an Bedeutung.

Schlussfolgerung: Wohnen als Zukunftsversprechen

Der Wohnungsbau der Zukunft entscheidet nicht nur über Quadratmeter, sondern über soziale Stabilität, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Zukunftsreport 2040 zeigt, dass Wohnen zu einem der zentralen Hebel gesellschaftlicher Transformation wird.

Wohnungsbaugenossenschaften können diese Entwicklung aktiv gestalten – wenn sie den Mut haben, Wohnen neu zu denken:
nicht als Produkt, sondern als Beziehung zwischen Menschen, Raum und Zeit.

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